Cochrane Crowd in Zeiten von COVID-19: jetzt mitmachen

Quarantäne, Ausgangssperren, Kontaktverbote – aufgrund der COVID-19-Krise gilt für Menschen, die nicht in sogenannten kritischen Berufen arbeiten, im Augenblick weltweit das Gleiche: Abstand halten und, wenn es irgendwie geht, zuhause bleiben. Wir haben einen Tipp, wie Sie sich von zuhause aus einer interessanten und sinnvollen Aufgabe widmen und dabei die Arbeit von Cochrane unterstützen können.

Weltweit ist zurzeit räumliche Distanzierung von unseren Mitmenschen angesagt. Sie soll ein weiteres Ausbreiten des Coronavirus verhindern. Um Abstand voneinander zu halten, bleiben viele Menschen zuhause, entweder weil sie die Möglichkeit haben Heimarbeit zu leisten, oder weil sie ihre Arbeit in Zeiten der weltweiten COVID-19-Pandemie nicht ausüben können. Diese Situation ist verständlicherweise für viele Menschen beunruhigend. Viele möchten gerne mehr tun als Abstand halten und Hände waschen, am liebsten irgendwie persönlich etwas zur Bekämpfung des Virus beitragen. Aber wie?

Cochrane Crowd ist eine Plattform, auf der Menschen aus aller Welt Cochrane bei seiner Kernaufgabe unterstützen können, die bestmögliche Evidenz zu Fragen der Gesundheitsversorgung in Cochrane Reviews zusammenzuführen. Als Bürgerwissenschaftler („Citizen Scientist“) hilft man in der Cochrane Crowd bei der Identifizierung von Studien, die für künftige Cochrane Reviews relevant sein könnten – und hat dabei noch einen spannenden Zeitvertreib.

Um Menschen aus aller Welt – auch gerade jetzt in Pandemiezeiten – auf diese Möglichkeit aufmerksam zu machen, hat Cochrane eine Serie von sogenannten „Cochrane Crowd Challenges“, initiiert. Das Ziel dieser Challenges ist es, dass alle Interessierten in einer vorgegebenen Zeit zusammen Studien auf bestimmte Kriterien hin untersuchen.

Was ist die Cochrane Crowd?

Im März 2014 gründete Cochrane eine Online-Plattform, auf der Laien Cochranes wissenschaftliche Arbeit tatkräftig dadurch unterstützen können, dass sie randomisierte, kontrollierte Studien (kurz: RCTs) von anderen Studien-Typen unterscheiden lernen und identifizieren können.

RCTs sind die wichtigste Datenquelle für Cochrane Reviews. Das Problem dabei: Jahr für Jahr erscheinen große Mengen an Studien! Beim Durchsuchen dieser enormen Menge auf der Suche nach denjenigen Studien, die für Cochrane Reviews relevant sein könnten, helfen sowohl computerbasierte Algorithmen als auch Menschen, die die Studien „von Hand“ als RCTs identifizieren. Hier kommt das sogenannte „Screening in der Cochrane Crowd“ ins Spiel: Jede Studie wird unabhängig voneinander von vier Mitgliedern der Cochrane Crowd begutachtet. Sind sich alle vier einig, dass es sich bei der Arbeit um einen RCT handelt, landet diese im Cochrane Central Register of Controlled Trials (kurz: CENTRAL), der zentralen Studien-Datenbank von Cochrane. Die dort enthaltenen RCTs sind für zukünftige systematische Reviews von besonderer Wichtigkeit.

In der Cochrane Crowd kann jeder zum „Bürgerwissenschaftler“ werden und in der Wissenschaft einen wichtigen Beitrag leisten. Einzige Voraussetzung ist ein gutes Leseverständnis auf Englisch. Mehr über Cochrane Crowd erfahren Sie in unserem Artikel Cochrane Crowd: Mitmachen erwünscht.

Die “COVID-19 Cochrane Crowd Challenge”

Gerade jetzt braucht Cochrane Ihre Hilfe. Es müssen Studien identifiziert werden, bei denen es sich um RCTs handelt oder die von RCTs berichten, – oder, um das Ganze in Jargon von Cochrane auszudrücken: Wir – d. h. Cochrane – brauchen Ihre Hilfe dabei, RCTs zu „screenen“.

Deshalb haben wir über die nächsten Wochen eine Reihe von „Mini Challenges“ organisiert – d. h. bestimmte Zeitfenster festgelegt, in denen Citizen Scientists aus aller Welt zeitgleich und somit GEMEINSAM – wenn auch räumlich distanziert im Internet – nach RCTs screenen. Diese Screenings könnten von großer Bedeutung für Wissenschaftler in dieser Zeit sein. Während der ersten Screening-Runden geht es darum, RCTs aus CINAHL, einer der größten Datenbanken für Krankenpflege und verwandte Gesundheitsbereiche, zu identifizieren. Danach werden sich die Aufgaben spezifischer auf die Identifizierung und Beschreibung der neuesten Studien zu COVID-19 oder zu Interventionen im Zusammenhang mit ähnlichen Infektionskrankheiten konzentrieren.

Wie läuft das gemeinsame Screening ab?

Es wird jede Woche ein dreistündiges Screening-Zeitfenster geben. Die Zeitfenster werden sich wöchentlich ändern, um sicherzustellen, dass Menschen aus jeder Zeitzone eine Chance haben, am Screening teilzunehmen.

Die erste Runde fand am Montag, dem 30. März, um 10:00 Uhr GMT (d. h. 11:00 Uhr deutscher Zeit bzw. MEZ) statt. Die nächste ist am Dienstag, 7. April, um 12:00 Uhr GMT (13:00 MEZ). Weitere Termine (MEZ):

  • Dienstag, 7. April: 13:00
  • Dienstag, 14. April: 11:00
  • Montag, 20. April: 9:00
  • Mittwoch, 29 April: 7:00
  • Donnerstag, 7. Mai: 14:00

Was brauche ich, um teilzunehmen?

Um an den Cochrane Crowd Challenges teilzunehmen wird absolut kein Fachwissen gefordert! Jedoch ist ein solides Leseverständnis in Englisch gefragt und die Bereitschaft zu lernen, wie Sie wesentliche Studientypen unterscheiden können. Alles, was Sie dazu wissen müssen, erfahren Sie, wenn Sie sich auf der Cochrane Crowd Plattform angemeldet und eingeloggt haben.

Wie kann ich mich registrieren?

Auf der Hompage der Cochrane Crowd Plattform wählen Sie entweder Login (wenn Sie sich schon einmal bei der Cochrane Crowd angemeldet haben) oder Signup, falls Sie sich zum ersten Mal registrieren. Nach einer kurzen Einführung mit direktem Feedback können sie dann direkt am Challenge teilnehmen!

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Screenen, und danken Ihnen, dass Sie Cochrane und die Wissenschaft mit ihrer Zeit unterstützen!

Bis bald in der Cochrane Crowd!

Text: Anne Borchard, Andrea Puhl, Georg Rüschemeyer

Kurzvideos über Grundlagen der Evidenzbasierten Medizin: Die Literatursuche

Wie macht man eine systematische Literatursuche? Wie interpretiert man das „Relative Risiko“? Was sind häufige Fehlerquellen in Studien? Das sind wichtige Fragen, die auftauchen, wenn man evidenzbasiert arbeiten will. Wir versuchen Grundlagen der Evidenzbasierten Medizin in einer Serie von Kurzvideos zu erklären.

Auch wenn der Schwerpunkt unseres Blogs meist auf Erkenntnissen aus Cochrane Reviews liegt, setzten wir gerne immer wieder mal einen Methodenschwerpunkt. In den nächsten Wochen stellen wir hier eine Serie von Kurzvideos vor, die Grundlagen der evidenzbasierten Medizin erklären. Wir haben uns bemüht dies möglichst leicht verständlich umzusetzen.

Die Videos wurden von Cochrane Österreich in Kooperation mit dem Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation erstellt. Aktuell besteht die Serie aus 6 Videos.

Grundlagen der systematischen Literatursuche

Der erste Teil der Serie bietet eine kurze Einführung in die Welt der systematischen Literaturrecherche – einem Eckpfeiler gut durchgeführter systematischer Übersichtsarbeiten.

Das erste Video fasst die Grundlagen einer systematischen Literatursuche zusammen. Dabei werden die vier wichtigsten Schritte, die einen transparenten und nachvollziehbaren Suchprozess gewährleisten sollen, erläutert (Vorbereitung, Datenbank-Suche, zusätzliche Informationsquellen, Dokumentation). Um möglichst alle relevanten Studien zu finden ist, neben einer gut durchdachten, klaren Fragestellung, das Durchsuchen von zumindest zwei bibliographischen Datenbanken obligatorisch. Zu einer guten systematischen Literatursuche gehören daneben auch die Suche nach zusätzlichen Informationsquellen, wie das Sichten von Referenzlisten, das Durchforsten von Studienregistern oder das Kontaktieren von Expertinnen und Experten sowie die sorgfältige Dokumentation aller Suchschritte.

Im Zweiten Video wird erklärt wie man sogenannte Boolesche Operatoren (AND; OR; NOT) zum Verknüpfen von Suchbegriffen richtig und effizient verwendet. Das dritte Video geht auf den richtigen Einsatz von Schlagwörtern, häufig als MESH-Terms bekannt, ein.

Text: Barbara Nußbaumer-Streit, Claudia Christof

COVID-19: Seife und weitere Hygienemaßnahmen – Evidenz aus Cochrane Reviews

Seit Anfang des Jahres breitet sich weltweit ein neues Coronavirus (SARS-CoV-2) aus, das die Erkrankung COVID-19 (Corona virus disease 2019) auslösen kann. Diese verläuft in der Mehrzahl der Fälle mild, kann jedoch auch zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie einer schweren Lungenentzündung führen. Inzwischen nehmen die Infektionsfälle mit SARS-CoV-2 weltweit rasant zu – so auch in den deutschsprachigen Ländern. Ziel der mehr und mehr ins öffentliche Leben einschneidenden Gegenmaßnahmen ist es, den zeitlichen Verlauf der Ausbreitung so zu verlangsamen, dass die Gesundheitssysteme mit der Versorgung von PatientInnen mit schweren Krankheitsverläufen nicht überlastet werden. Dafür gilt es, Infektionsketten wo irgend möglich zu unterbrechen.

Weiterlesen

Nützliche, patientenrelevante Forschung

Forscherinnen und Forscher kämpfen um begrenzte Fördermittel, um ihre Arbeit zu finanzieren. Ein Nebenprodukt dieses Wettkampfs sind Studien, die kaum zum Erkenntnisgewinn beitragen oder sogar unnötig sind. Solche Studien werden unter dem Begriff „research waste“ zusammengefasst. Ein spannendes Thema von dem ich beim EBM-Kongress in Basel erstmals gehört habe. In diesem Blog-Beitrag möchte ich einen Überblick über dieses wichtige Thema geben.

Weiterlesen

Es bleibt dabei: Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren schützt das Herz kaum

Der tägliche Löffel von widerlich schmeckendem Lebertran ist schon lange passé. Heute kommen Omega-3-Fettsäuren zumeist in Form kleiner Kapseln mit Fischöl, die man für ein paar Euro rezeptfrei im Drogeriemarkt kaufen kann. Doch wie viel Mehrwert hat es, zusätzliches Omega-3 in Kapselform einzunehmen? Das eben veröffentlichte Update des Cochrane-Reviews „Omega-3-Fettsäuren zur Primär- und Sekundärprävention von kardiovaskulären Erkrankungen“ sieht dafür nach wie vor wenig Evidenz. Ko-Autorin Lee Hooper von der englischen University of East Anglia erklärt die Ergebnisse in unserem Interview.

Weiterlesen