Titelbild für Tuberkuloseartikel -Teil 1

Tuberkulose – tödliche Bakterien (Teil 1)

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Bereits im Jahr 1993 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Tuberkulose-Epidemie zum globalen Gesundheitsnotstand erklärt [1]. Trotz beachtlicher Fortschritte im Kampf gegen Tuberkulose stellt diese weltweit nach wie vor die am häufigsten zum Tode führende bakterielle Infektionskrankheit dar. Immer noch sterben Jahr für Jahr rund 1,5 Millionen Menschen daran [2].

Tuberkulose, im Volksmund auch Schwindsucht genannt, ist weltweit verbreitet und zählt neben AIDS und Malaria zu den häufigsten Infektionskrankheiten [3]. Zwar konnten nach Schätzungen der WHO – dank verbesserter präventiver aber auch therapeutischer Möglichkeiten – in den Jahren 2000 bis 2017 rund 54 Millionen Todesfälle infolge von Tuberkulose verhindert werden [3]. Dennoch fordert keine andere bakterielle Infektionskrankheit jährlich so viele Menschenleben [2].

Nach Schätzungen der WHO ist rund ein Viertel der Weltbevölkerung mit Tuberkulose infiziert und damit Träger des Mycobacterium tuberculosis [4]. 95 Prozent davon sind Menschen aus Entwicklungsländern [3, 4, 5]. Zahlen aus dem Jahr 2017 veranschaulichen die ungleiche Verteilung auf unserem Globus: Von weltweit 10 Millionen Neuerkrankten entfielen 5.500 auf Deutschland [5]. Während die Lage in vielen Ländern Afrikas und Südost-Asiens anders aussieht – hier treten die meisten Erkrankungs-und Todesfälle auf [6].

HIV, Armut und Resistenzen als Trigger

Besonders gefährdet an Tuberkulose zu erkranken bzw. zu versterben sind HIV-infizierte Personen. Andere Faktoren für die weltweit besorgniserregende Tuberkulosesituation sind Armut und eine damit verbundene vielerorts schlechte medizinische Versorgung sowie zunehmende Resistenzen der Tuberkelbakterien gegenüber gängigen Antibiotika [3, 4, 6]. Dies kann zu einer fatalen Kombination werden. Gerade in ärmeren Ländern ist auch die HIV-Infektionsrate enorm hoch. Im Jahr 2018 war weltweit einer von neun neu aufgetretenen Tuberkulosekrankten gleichzeitig auch HIV-positiv – 71 Prozent davon stammten aus Afrika [4].

HIV-infizierte Personen haben aufgrund ihres geschwächten Immunsystems ein besonders hohes Risiko, an Tuberkulose zu erkranken. Die Immunschwäche fördert den Ausbruch von Tuberkulose. Umgekehrt beschleunigt Tuberkulose den Ausbruch von AIDS. Wenn dann die Tuberkelbakterien auch noch resistent gegen Antibiotika sind, kann dies, gerade für ohnehin schon geschwächte HIV-infizierte Personen, fatale Folgen haben [3,4, 5, 7, 8].

Besonders gefährdet, an Tuberkulose zu erkranken und zu sterben sind außerdem Kinder: im Jahr 2019 sind geschätzte 205.000 Kinder an den Folgen von Tuberkulose gestorben; auch hier potenziert eine HIV-Infektion das Risiko: 32.000 davon waren HIV positiv [7].

Tückische Krankheit

Als Robert Koch 1882 den Verursacher von Tuberkulose, das Mycobacterium tuberculosis, entdeckte, war ihm wohl noch nicht klar, wie raffiniert die stäbchenförmigen Bakterien sind. Nach erfolgreicher Übertragung von Mensch zu Mensch via Tröpfcheninfektion nisten sich die Keime in den meisten Fällen in der Lunge ein. Dabei befallen und verstecken sie sich genau in jenen Zellen des Immunsystems, die sie eigentlich eliminieren sollten: Den Makrophagen (Fresszellen). Gesunden Menschen gelingt es in den meisten Fällen, die Mykobakterien erfolgreich zu bekämpfen bzw. sie in sogenannten Granulomen abzukapseln und so fürs Erste unschädlich zu machen. Sie haben dann meist keine wesentlichen Beschwerden und sind nicht ansteckend. 90 Prozent der Infizierten haben solch eine latente Infektion [5].

Tickende Granulome

Die Erreger schlummern in ihren Granulomen oft jahrelang vor sich hin und warten auf eine Gelegenheit, sich vermehren zu können – das ist beispielsweise der Fall, wenn das Immunsystem der Infizierten, durch Stress, schlechte Ernährung, eine Erkrankung (z.B. AIDS oder Krebs) oder übermäßigen Alkoholkonsum geschwächt ist. Dann erwachen die Mykobakterien aus ihrem Dornröschenschlaf und die Krankheit nimmt ihren Lauf. Das passiert bei etwa 5-10 Prozent der Infizierten [5]. Anzeichen für eine derartige akute Tuberkulose können grippeähnliche Symptome, Fieber, Husten mitunter mit blutigem Auswurf, Gewichtsabnahme, Nachtschweiß oder allgemeine Schwäche sein.

Ist das Immunsystem stark angeschlagen, können sich die reaktivierten Mykobakterien über das Blut im gesamten Körper verteilen und im Prinzip jedes Organ befallen. Je nachdem kann es zu den unterschiedlichsten Symptomen kommen [3,5].

Hoch ansteckend

Im Zustand der akuten Tuberkulose sind die Betroffenen hoch infektiös (offene Lungentuberkulose) und können via Tröpfcheninfektion durch Husten oder Niesen leicht andere Menschen anstecken. Um eine Ausbreitung der Erreger zu verhindern, ist es wichtig, infizierte Personen möglichst rasch und erfolgreich zu erkennen, zu isolieren und zu behandeln.

In der Realität gelingt das aber oft nicht – besonders in sogenannten „low and middle income“ Ländern. Grund dafür sind häufig fehlende diagnostische und therapeutische Ressourcen. Dies bedeutet nicht nur für die Betroffenen selbst einen enormen Leidensdruck, sondern gewährt auch den Mykobakterien die uneingeschränkte Möglichkeit, auf andere Personen überzuspringen.

Wirksam gegen Tuberkulose vorgehen

Im nächsten Beitrag zur Tuberkulose geben wir einen Überblick über Maßnahmen, wie man Tuberkulose rechtzeitig erkennt, wie man Personen nach einem Kontakt zu einem Tuberkulose-Erkrankten schützt, wie man akute Tuberkulose behandeln kann, und was aktuelle Cochrane Evidenz dazu sagt.

Text: Claudia Christof

Quellen

[1] WHO (1994)
TB a global emergency . Abgerufen am 16.06.2020 unter:
https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/58749/WHO_TB_94.177.pdf?sequence=1&isAllowed=y
[2] WHO (2019)
WHO guidelines on tuberculosis infection prevention and control, 2019 update, Geneva: World Health Organization; 2019; License: CC BY-NC-SA 3.0IGO. https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/311259/9789241550512-eng.pdf
[3] Robert Koch-Institut (2013)
Tuberkulose RKI-Ratgeber. Abgerufen am 11.06.2020 unter:
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Tuberkulose.html
[4] UpToDate (2019)
C Robert Horsburg, Epidemiology of tuberculosis . Abgerufen am 11.06.2020 unter: https://www.uptodate.com/contents/epidemiology-of-tuberculosis?search=tuberculosis%20epidemiology&source=search_result&selectedTitle=1~150&usage_type=default&display_rank=1
[5] Amboss (2019)
Tuberkulose
Abgerufen am 11.06.2020 unter: https://www.amboss.com/de/wissen/Tuberkulose
[6] Mhimbira u.a. (2017)
Mhimbira FA, Cuevas LE, Dacombe R, Mkopi A, Sinclair D.
Interventions to increase tuberculosis case detection at primary healthcare or community-level services.
Cochrane Database of Systematic Reviews 2017, Issue 11. Art. No.: CD011432.
DOI: 10.1002/14651858.CD011432.pub2.
[7] UpToDate (2020)
Adams , Tuberculosis disease in children. Abgerufen am 12.06.2020 unter:
https://www.uptodate.com/contents/tuberculosis-disease-in-children?search=tuberculosis%20children&source=search_result&selectedTitle=1~150&usage_type=default&display_rank=1
[8] Zunza u.a. (2017)
Zunza M, Gray DM, Young T, Cotton M, Zar HJ.
Isoniazid for preventing tuberculosis in HIV-infected children.
Cochrane Database of Systematic Reviews 2017, Issue 8. Art. No.: CD006418.
DOI: 10.1002/14651858.CD006418.pub3.

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