Kerngesund – und trotzdem regelmässig zum Arzt?

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Jeder Österreicherin und jedem Österreicher wird einmal im Jahr von der Krankenkasse eine Vorsorgeuntersuchung bezahlt. Dabei sollen Risiken früh erkannt – und spätere Krankheiten vermieden werden. Klingt vernünftig, vorbeugen ist schließlich besser als heilen, oder? Warum gibt es das dann nicht in der Schweiz? Und in Deutschland erst ab 35 und nur alle zwei Jahre?

Jeder stimmt wohl zu, dass Maßnahmen nur Sinn machen, wenn der Nutzen den möglichen Schaden überwiegt. Das gilt nicht nur für Medikamente und andere Therapien, sondern auch für Untersuchungen bei Gesunden. Doch welchen Schaden sollte eine Vorsorgeuntersuchung schon anrichten?

Kosten/Nutzen-Rechung bei Gesundheit?

Vorsorgeuntersuchungen kosten zunächst einmal Zeit und Geld, den Einzelnen ebenso wie die Gemeinschaft, die ja die Kassenleistungen finanziert. Geld, das für nachgewiesenermaßen sinnvolle Behandlungen eingesetzt werden könnte. Und eine solche Untersuchung kann verunsichern: Ein vermutlich erhöhtes Risiko kann Angst machen, Folgeuntersuchungen müssen in Kauf genommen werden, und eventuell wird sogar eine Behandlung begonnen, die sich später als unnötig herausstellt.

Das klingt jetzt alles nicht nach einem dramatischen Schaden, wenn auf der anderen Seite, eine Krankheit wie zum Beispiel Krebs früh erkannt und vielleicht sogar ein Leben gerettet werden kann. Aber das ist der Haken – für die Gesundenuntersuchung ist dieser Nutzen nicht nachgewiesen.1 Laut einem Cochrane-Review wird mit einer jährlichen Gesundenuntersuchung weder die Sterblichkeit statistisch signifikant gesenkt, noch das Risiko für schwere Erkrankungen reduziert. Die Untersuchung hat keinen signifikanten Einfluss auf das spätere Risiko, Krebs oder Herzkreislauferkrankungen zu erleiden. Die Übersichtsarbeit fasst 14 Studien mit insgesamt rund 180.000 Teilnehmern zusammen.

Und was machen wir jetzt mit der Vorsorgeuntersuchung für Gesunde? Mediziner neigen dazu, den Effekt von Vorsorgeuntersuchungen zu überschätzen, auf ärztlicher Seite ist es also schlicht notwendig, sich mit den Fakten auseinanderzusetzen – genau dafür gibt es diesen Cochrane Review.

Den Patienten raten die Krankenversicherungen und wahrscheinlich auch Hausärztin oder Hausarzt zur Gesundenuntersuchung, doch was rät die Wissenschaft? Da wird es heikel, denn die Wissenschaft gibt keine Empfehlung im Einzelfall. Studienergebnisse liefern keine direkten Handlungsanweisungen für den einzelnen, auch weil jeder Mensch andere Wünsche und Ängste hat. Wer sich allein schon dadurch krank fühlt, dass er oder sie eine Praxis betritt, hat bei der Gesundenuntersuchung gewissermaßen schon dadurch einen höheren Schaden als jemand der sich beim Arztbesuch wohl fühlt und jedes mögliche Gesundheitsrisiko ausschließen möchte. Gesundheitsentscheidungen kann also immer nur jeder für sich treffen – im Idealfall basierend auf guten Informationen und in Abstimmung mit Ärztin oder Arzt.

 

Was sind gute Gesundheitsinformationen?

„Gute Gesundheitsinformation ist richtig und aktuell, darf nicht irreführen und gibt keine Entscheidungen vor.”

Klaus Koch, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG).

Leider reden Ärzte oft immer noch Kauderwelsch, der für Patienten nicht oder nur teilweise verständlich ist und die Zeitungen berichten sensationsgetrieben. Fast alle, die Informationen über Gesundheit zur Verfügung stellen, haben Interessenskonflikte, von der Zeitung, die auch Inserate verkaufen möchte, bis zur Apotheke, die an einem Medikament mehr verdient als an einem anderen.

Cochrane & Du

Cochrane arbeitet seit 1993 daran, objektiv und unabhängig Informationen zusammenzufassen und zur Verfügung zu stellen, damit Ärzte, Patienten und Entscheidungsträger eine Grundlage für gute Entscheidungen haben. Dieser Blog ist Teil unserer Bemühungen, solche Informationen direkt zu allen Bürgerinnen und Bürgern zu bringen. Denn die meisten Gesundheitsentscheidungen trifft jeder Mensch für sich, so wie eben die Entscheidung, zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen oder nicht.

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Externes

Medizin Transparent: Gesund und trotzdem einmal jährlich zum Arzt?

Die Schweiz sieht aufgrund des schlechten Nutzen/Schaden-Verhältnisses von regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen an Gesunden ab (mit einigen Ausnahmen).

In Deutschland wird für jede Person über 35 eine Gesundenuntersuchung angeboten, die dann alle zwei Jahre wiederholt werden kann.

Referenzen

1. „General health checks in adults for reducing morbidity and mortality from disease“. Cochrane Database of Systematic Reviews 2012, Issue 10. Art. No.: CD009009. Zusammenfassung der Übersichtsarbeit.

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