Vorräte des Schlangen-Gegengifts FAV-Afrique aufgebraucht – was jetzt?

Schlangenbisse sind in tropischen Gebieten eine häufige Todesursache, gehören aber trotzdem zu den vernachlässigten tropischen Krankheiten. Bis Mitte diesen Jahres gab es das wichtigste Gegengift gegen Schlangenbisse in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara noch: Das von der französischen Pharmafirma Sanofi produzierte FAV-Afrique. Dieses Antiserum ist eins der wenigen Produkte, das die Bisse der zehn gefährlichsten Schlangen südlich der Sahara behandeln kann.

FAV-Afrique ist bezüglich Sicherheit und Wirksamkeit von guter Qualität und rettete schon oft Leben oder bewahrte Menschen vor Verstümmelungen. Weiterlesen

Von der Schlange gebissen: weltweiter Gegengift-Vorrat geht zur Neige

Manche medizinische Behandlungen sind so offensichtlich wirksam, dass eine wissenschaftliche Überprüfung im Rahmen von randomisierten, kontrollierten Studien nicht sinnvoll erscheint. Es wäre unethisch, einem Teil der Studienteilnehmer die wirksame Therapie in einer klinischen Vergleichsstudie vorzuenthalten. Dazu gehören Gegengifte, die Patienten nach dem Biss einer Giftschlange möglichst schnell verabreicht werden.

In einem im Juni veröffentlichten Cochrane Review konnte entsprechend auch keine randomisierte Studien gefunden werden, die die Wirksamkeit von Gegengiften bei einer der tückischsten Folge von Schlangenbissen untersucht hätte, einem Totalausfall der Blutgerinnung (sogenannte Verbrauchskoagulopathie). Weiterlesen